Die Besucherinnen und Besucher erlebten an beiden Wettkampftagen erneut Leichtathletik auf höchstem Niveau. Das „Mehrkampf-Festival“ im Götzner Mösle Stadion endete mit einem historischen Doppelerfolg für die Schweiz: Vor einer begeisterten Zuschauerkulisse sicherten sich Annik Kälin (SUI) und Simon Ehammer (SUI) die Siege im Siebenkampf bzw. im Zehnkampf – beide mit neuen Schweizer Rekorden.
Ehammer verbesserte seinen eigenen Schweizer Zehnkampf-Rekord auf 8778 Punkte, was gleichzeitig auch neue Weltjahresbestleistung bedeutet. Kälin verbesserte ihren eigenen, bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 aufgestellten Schweizer Rekord auf 6726 Punkte im Siebenkampf – ebenfalls neue Weltjahresbestleistung.
Bereits am Samstag setzte Überflieger Simon Ehammer ein erstes Ausrufezeichen. Mit 8,51 Metern gelang ihm im Weitsprung im zweiten Versuch die beste jemals innerhalb eines Zehnkampfs gesprungene Weite – Weltrekord innerhalb eines Zehnkampfs! Zusammen mit weiteren starken Leistungen übernahm der Schweizer ab der zweiten Disziplin, dem Weitsprung, die Führung – und gab die Leader-Startnummer dann auch bis zum Schluss nicht mehr ab.
Von Beginn an wurde Ehammer aber kontinuierlich von Weltmeister Leo Neugebauer (GER) verfolgt, und auch der Olympiasieger und achtfache Götzis-Sieger Damian Warner (CAN) war ihm nach einem fulminanten Start in den ersten Tag über die 100m stets dicht auf den Fersen. Ehammer eröffnete dann den zweiten Tag mit starken 13,48 Sekunden über die Hürden und verteidigte seine Führung weiterhin, trotz des Drucks durch Neugebauer. Bekanntlich einen sehr starken zweiten Tag hat der deutsche Weltmeister von 2019, Niklas Kaul (GER) – er arbeitete sich mit starken Leistungen am zweiten Tag von Zwischenrang 18 nach Tag 1 bis auf den dritten Rang im Endklassement vor und konnte sich damit sogar noch knapp vor Damian Warner auf dem Podium platzieren. Hervorzuheben ist der Meeting-Rekord von Niklas Kaul im Speerwurf: Mit 78,21 m hat der Deutsche seinen Speer so weit wie noch nie jemand in 50 Jahren Hypomeeting geworfen, womit er neben dem neuen Meeting-Rekord auch 1015 Punkte für die Gesamtwertung in der Tasche hatte.
Für Aufsehen im Zehnkampf sorgte auch der erst 20-jährige
Tomas Järvinen (CZE), der bei seinem ersten Zehnkampf bei den Aktiven mit 2,09 Metern den Hochsprung gewann und sich eindrucksvoll im Spitzenfeld behauptete. Aufgrund seiner starken Leistungen über die zwei Tage wurde der junge Tscheche auch als „Rookie of the Year“ im Zehnkampf ausgezeichnet. Der Rookie im Zehnkampf wurde präsentiert von
Holzbauwelt – herzlichen Dank für die Unterstützung.

Im Siebenkampf entwickelte sich im Laufe des ersten Tages zwar ein gewisses Favoritinnenfeld, aber nach Tag 1 war noch alles offen: Hallenweltmeisterin Sofie Dokter (NED) übernachtete nach einem starken ersten Tag auf Zwischenrang 1, gefolgt von Annik Kälin (SUI) und Taliyah Brooks (USA). Am zweiten Tag ging es mit dem Weitsprung weiter, in dem die Schweizerin Kälin als eine der besten Weitspringerinnen weltweit von vornherein zu den Favoritinnen zählte. Und so kam es, dass Kälin nach einem herausragenden Weitsprung von 6,96 Metern (1159 Punkte) souverän die Führung übernahm – und bis zum Schluss verteidigen konnte. Mit ihrem Weitsprung beim Hypomeeting qualifizierte sich Kälin gleichzeitig auch für die Einzeldisziplin im Weitsprung bei den anstehenden Europameisterschaften in Birmingham (GBR) – zwar nicht mit dem weitesten Satz, der aufgrund minimal zu starkem Rückenwind nicht für die Einzelwertung zählte, dafür schon mit ihrem Sprung im ersten Versuch auf 6,81 m.
Im Laufe des zweiten Tages arbeitete sich auch
Emma Oosterwegel (NED) immer weiter nach vorne: Die gute Weitspringerin und begnadete Speerwerferin konnte dann noch den abschließenden 800m Lauf für sich entscheiden, womit sie den Siebenkampf als Zweitplatzierte mit
6705 Punkten und neuer persönlicher Bestleistung beendete. Die Aufholjagd auf Annik Kälin gelang Oosterwegel damit knapp nicht, aber sie zeigte sich trotzdem sehr zufrieden mit ihrem Endergebnis. Auch
Sofie Dokter (NED) konnte mit
6627 Punkten eine neue persönliche Bestleistung aufstellen und blieb damit auf Platz 3 nur 99 Zähler hinter der Siegerin zurück.
Beeindruckend war auch die Leistung von Sophie Weißenberg (GER) in ihrem Comeback-Siebenkampf nach 20-monatiger Wettkampfpause aufgrund einer Verletzung. Mit konstant starken Leistungen über beide Wettkampftage meldete sie sich eindrucksvoll in der Weltspitze zurück. Über 200 Meter belegte sie sogar Rang zwei, im Weitsprung wurde sie mit 6,40 Metern Dritte. Mit insgesamt 6449 Punkten stellte sie eine neue persönliche Bestleistung auf und beendete den Wettkampf auf dem starken vierten Platz.
Die Italienerin Sveva Gerevini machte sich am Sonntagabend selbst ein tolles Geburtstagsgeschenk: Sie lief die zweitschnellste Zeit über die abschließenden 800m und stellte mit gesamt 6413 Punkten einen neuen italienischen Landesrekord im Siebenkampf auf. Auch die 25-jährige Schwedin Erika Wärff beeindruckte das Publikum bei ihrer ersten Teilnahme in Götzis: mit 6271 Punkten beendete sie ihren Siebenkampf schon beim ersten Antreten in den Top 10, sowie neuer persönlicher Bestleistung.
„Rookie of the Year“ im Siebenkampf wurde die 19-jährige Finnin
Enni Virjonen, die mit sehr konstanten Leistungen über beide Tage und am Ende einer neuen persönlichen Bestleistung von 6189 Punkten glänzte. Der Siebenkampf Rookie wird präsentiert von R
ohner Thomas Zeltverleih, auch hier bedanken wir uns herzlich für die Unterstützung.
Aus österreichischer Sicht hat Chiara Schuler den Siebenkampf in Götzis bestritten. Auch wenn ihr Fazit nicht ganz so zufriedenstellend ausgefallen ist wie sie sich erhofft hatte, freute sich die Vorarlberger Lokalmatadorin über ihre abschließende neue persönliche Bestleistung über die 800 m in 2:18,15 Minuten.
Ein schönes Resümee in Zahlen vom vergangenen Wettkampf-Wochenende in Götzis zeigt auch das World Athletics Competition Performance Ranking, das sich aus Participation Score und Result Score ergibt.
Im Zuge des Competition Performance Rankings werden die acht besten Ergebnisse aus Sieben- und Zehnkampf gemeinsam gemäß Spiriev-Tabelle in Punkte umgerechnet, woraus sich ein Result Score ergibt. Dieser beträgt für das 51. Hypomeeting Götzis 2026 exakt 9721 Punkte – und damit 134 Punkte mehr, als die Hallenweltmeisterschaft in Toruń (POL). Der Hallenweltrekord von Simon Ehammer in Toruń brachte der Hallen-WM wiederum zusätzliche 120 Punkte für den Competition Score ein, womit das Hypomeeting Götzis 2026 im Competition Performance Ranking um knappe 6 Punkte auf Platz 2 des aktuellen Competition Performance Rankings liegt.
Detaillierte Infos zum Competition Performance Ranking finden sich hier: